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Home > Aktuelles > Studien > Finanzstrukturen im deutschen Mittelstand


Mittelstand mit den Banken unerwartet zufrieden

– Nur 7,8 Prozent beklagen schlechtes Verhältnis zur Hausbank
– Einbehaltene Gewinne bilden das Kernstück der Finanzierung
– Rating ist für viele Unternehmer die große Unbekannte


Frankfurt am Main. Mit der heute vorgestellten Studie "mind finance" haben das Unternehmermagazin "impulse" und die Dresdner Bank die bislang umfassendste empirische Untersuchung über die Finanzstrukturen im deutschen Mittelstand vorgelegt. Unter der wissenschaftlichen Leitung des angesehenen Bonner Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) wurden insgesamt 1.025 mittelständischen Unternehmern zu 200 Fragen rund um die Unternehmensfinanzierung gestellt. Die Ergebnisse repräsentieren rund 1,1 Millionen mittelständische Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 250.000 DM.

Entgegen der häufig vorgebrachten Behauptung, die Beziehungen zwischen dem Mittelstand und dem Bankgewerbe seien schwer gestört, kommt "mind finance" zu einem positiven Ergebnis. Wie die vom Unternehmermagazin "impulse" und der Dresdner Bank initiierte Studie ausweist, gaben lediglich 7,8 Prozent der Befragten an, das Verhältnis zu ihrer Hausbank habe sich in den vergangenen zwölf Monaten verschlechtert. Fast 85 Prozent konnten hier keinerlei Veränderung feststellen, während sich das Verhältnis zur Hausbank bei 7,3 Prozent der Unternehmer sogar verbessert hat.

Auch von einer dramatischen Finanzierungskrise im deutschen Mittelstand kann offenbar keine Rede sein. So messen immerhin 63,6 Prozent der befragten Mittelständler dem Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten gegenwärtig keinerlei oder nur eine geringe Bedeutung bei. Lediglich für 10,3 Prozent ist das Thema zurzeit von hoher Bedeutung. Vor diesem Hintergrund, so Joachim v. Harbou, Firmenkundenvorstand der Dresdner Bank, täten alle Beteiligten gut daran, die sehr emotional geführte Debatte der vergangenen Monate wieder auf eine sachliche und zukunftsgerichtete Ebene zurückzuführen.

Bei 65 Prozent der Unternehmen entscheidet der Inhaber allein über die Finanzen

Das Thema Finanzierung ist in mittelständischen Unternehmen ganz eindeutig Chefsache. Über drei Viertel aller befragten Unternehmen (75,6 Prozent) kommen nach der "mind finance"-Studie ohne eine organisatorisch eigenständige Finanzabteilung aus. Dafür behält sich der Inhaber bzw. der geschäftsführende Gesellschafter in fast 65 Prozent der Betriebe die Entscheidung in Finanzfragen allein vor. Bei 17,6 Prozent der Unternehmen sind mehrere Gesellschafter in diesen Prozess involviert, bei weiteren 11,6 Prozent die Familie des Inhabers.

Dies erklärt wohl auch, warum der Steuerberater bzw. Wirtschaftsprüfer bei allen Fragen der Unternehmensfinanzierung das nahezu uneingeschränkte Vertrauen der Unternehmer genießt. So gaben 91,3 Prozent der Unternehmen an, der Steuerberater sei bei diesen Fragen "sehr wichtig/wichtig". Das Kreditinstitut führten 75,8 Prozent als "sehr wichtig/wichtig" an, den Rechtsanwalt 47 Prozent. Institutionen wie die Industrie- und Handelskammern (25,0 Prozent) oder Handwerkskammern (22,1 Prozent) spielen dabei eine bedeutend geringere Rolle.

Die Unternehmensfinanzierung stellen die Firmen zumeist aus eigenen Mitteln sicher. So bilden einbehaltene Gewinne für weit mehr als die Hälfte der Unternehmen (58,5 Prozent) eine tragende Säule. 40,6 Prozent der Unternehmen nutzen Abschreibungen und Rückstellungen zur Unternehmensfinanzierung. Die klassische Kreditfinanzierung folgt mit 30,2 Prozent der Nennungen auf dem dritten Rang, vor steuerlichen Vergünstigungen und Investitionszulagen mit 23,2 Prozent.

Beunruhigend für die Zukunftsfähigkeit des Mittelstands und die dafür notwendigen Investitionen erscheint nach der "mind finance"-Studie das übergroße Vertrauen der Unternehmen auf die eigene Finanzkraft zu sein. So gibt nur jedes vierte Unternehmen an, zurzeit einen aktuellen Kapitalbedarf zu haben. Gleichzeitig stellt grundsätzlich nur gut jedes vierte Unternehmen (27,2 Prozent) für Investitionen im Voraus ein Budget auf. In etwa die gleiche Anzahl von Unternehmen (24,5 Prozent) macht dies meistens, 20 Prozent gelegentlich, 27,7 Prozent dagegen nie. Vor allem im Dienstleistungsbereich und in kleinen Unternehmen mit weniger als zehn Beschäftigten wird überdurchschnittlich häufig auf eine vorausschauende finanzielle Investitionsplanung verzichtet.

Zumindest monatlich überprüfen gut 42 Prozent der Betriebe ihre aktuelle finanzielle Situation anhand einer klassischen Einnahmen-Überschussrechnung. Allerdings wird in jedem zwanzigsten Unternehmen (4,4 Prozent) zu keinem Zeitpunkt des Jahres die jeweils aktuelle Finanzsituation überprüft. Ein Berichtswesen aus dem Controlling bzw. aus der Forecast-Planung betreibt fast die Hälfte der Mittelständler (46,9 Prozent) überhaupt nicht.

Mehr als jedem dritten Unternehmen ist das Thema "Rating" völlig unbekannt

Die große Herausforderung für Banken und Unternehmer scheint in der nächsten Zeit das Rating von mittelständischen Unternehmen zu sein. Wie groß das Informationsdefizit ist, zeigt die Studie "mind finance", nach deren Ergebnissen weit mehr als jedem dritten Unternehmen (37,2 Prozent) Rating völlig unbekannt ist. Demgegenüber gaben 49,1 Prozent an, das Thema zwar zu kennen, sich damit aber noch nicht befasst zu haben. Gerade einmal 13,8 Prozent der Unternehmen war das Thema bekannt und hatten sich auch schon damit beschäftigt. "Das Thema Rating unterschätzen viele Unternehmen vollständig und wiegen sich in falscher Sicherheit. Hier kommt auf die Banken eine große Aufgabe der Vertrauensbildung zu, die nur mit Transparenz der Rating-Bedingungen zu lösen ist", konstatiert "impulse"-Chefredakteur Thomas Voigt.

Sonderbefragung zum Themenkomplex "AG-Gründung" und "Börsengang"

Im Umfeld der "mind finance"-Studie ließen die Dresdner Bank und "impulse" zusätzlich 123 Entscheider aus den rund 1.000 mittelständischen Aktiengesellschaften in Deutschland befragen, um mehr über die Motivation für die AG-Gründung bzw. den Börsengang zu erfahren. Erstaunlicherweise stand bei der AG-Gründung die Kapitalbeschaffung durch einen Börsengang nicht im Vordergrund. Dies gaben nur knapp die Hälfte (49,6 Prozent) als Grund an. Stattdessen waren die Verbesserung des Unternehmensimages (71,5 Prozent), die Steigerung des Bekanntheitsgrades (66,7 Prozent) und die leichtere Gewinnung von Führungskräften und qualifizierten Mitarbeitern (56,1 Prozent) bei der Entscheidung für die AG als Rechtsform ausschlaggebend. Der Börsengang selbst war dagegen von nahezu allen befragten AGs ganz überwiegend mit dem Ziel der Kapitalbeschaffung entschieden worden.

Beteiligungsunternehmen wie etwa Venture-Capital-Geber haben sich erst bei den noch relativ jungen AGs, die in den letzten fünf Jahren gegründet wurden, durchsetzen können. Bei rund 40 Prozent dieser Unternehmen halten Beteiligungsgesellschaften Anteile, während es bei den älteren AGs lediglich halb so viele sind. In etwa die gleiche Situation beschreibt "mind finance" bei der Frage nach professionellen Investor Relations. Während bei den jüngeren AGs mehr als zwei Drittel der Unternehmen (67,6 Prozent) Investor Relations betreiben, ist es bei den vor 1996 gegründeten AGs gerade einmal knapp jedes dritte Unternehmen (32,8 Prozent).

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